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Freitag, 29. Oktober 2010

Tales of the Force Reloaded



1983, als George Lucas mit „Star Wars: Episode VI: Return of the Jedi“ den Schlusssatz unter die vielleicht bombastischste Kinogeschichte überhaupt setzte, war aus vielerlei Hinsicht noch kein Ende abzusehen. Lucas, der seine frühe Trilogie über den fantastischen Krieg der Sterne vorerst phänomenal beendet hatte, schwirrten bereits die Ideen für eine Vorgeschichte, die beleuchten sollte, wie es zu den dramatischen Ereignissen überhaupt erst kommen konnte. Schien Episode VI ein versöhnliches, jedoch unerwartetes und deshalb befriedigendes Ende zu bieten, so wäre es für den Zuschauer wohl äußerst interessant, zu erfahren, wie Darth Vader zu der dunklen Person wurde, die er jetzt ist. Neben der Komponente der Vollständigkeit ist aber auch die kommerzielle Seite zu betrachten. Hätten die drei Filme, heute unbestreitbare Klassiker, keinen Erfolg gehabt, so wäre es Lucas höchstwahrscheinlich schwer gefallen, Wohlwollen für eine Realisierung, welche die frühen Jahre der Galaxie erzählen sollte, zu finden. „Star Wars“ aber entwickelte sich nur zu einer der eindrucksvollsten, interessantesten und fantasiereichsten Filmreihen überhaupt, sondern wurde auch zu einem riesigen Kinoerfolg. Unübertroffen bis heute ist auch der Erfolg des Merchandising: Über Spielfiguren, Bettdecken und anderes wurde eigentlich jeder Fanartikel zu einem Kassenschlager. Klar also, dass Lucas seine prägende Geschichte weiter gestalten durfte – allerdings erst Jahre später, als der Hype eigentlich schon längst verebt war.

Einerseits ist hierbei zu beachten, dass Lucas klug genug war, zu erkennen, dass es einer kleinen Pause bedurfte. Denn die Zuschauer hatten einen absolut würdigen Abschluss erhalten und sollten nun erst einmal die Zeit bekommen, die Thematik auszudiskutieren und über die vielen berühmten Zitate nachzudenken. Eine Überfütterung ist nie gut, vor allem, wenn das Essen irgendwann nicht mehr schmeckt – so könnte man die Haltung Lucas' beschreiben. Viel wichtiger in diesem Fall ist aber wiederum, dass der Regisseur, der schon damals tricktechnische Maßstäbe setzte, die richtige Zeit abwarten wollte, um seine wirkliche Vision auch dementsprechend bebildern zu können. Die 80-er waren da noch verhältnismäßig ruhig anzusehen, erst mit der darauf folgenden Dekade, den 90-ern, begann das Zeitalter der Computereffekte. „Jurassic Park“ wurde vor allem aufgrund seiner genialen und bis heute nicht gealterten ins Bild gemogelten Dinosaurier der damals der neue Einspielrekord beschert, und „Titanic“, der Spielbergs amüsanten Actionfilm 1997 noch übertrumpfen konnte, bescherte dem Medium Film mit dem zwar narrativ dröge, aber tricktechnisch herausragend inszenierten Untergang des berühmten Schiffes ein neues Vorbild für Computereffekte. Nun war es also an der Zeit, die weltbekannte Saga forzusetzen – mittels einer Vorgeschichte, ebenfalls auf drei Episoden gedehnt und den Bogen zur Episode VI spannend. George Lucas konnte nun endlich das aus seinen Ideen machen, was er wirklich vorhatte und wollte, widmete sich ganz der neuen Technik und schuf sein Jahrzehnte hinausgezögertes zweites Opus Magnum.




Doch erst einmal bestand die Frage, wie man überhaupt anfangen sollte. Episode I sollte nicht zu abrupt gestartet werden und auch nichts Wichtiges vernachlässigen. Lucas und sein Team mussten also gehörig aufpassen, es dem Fan Recht zu machen und eine in allen Fällen gelungene erste Episode abliefern. Der Fokus hierbei wurde auf die jungen Jahre Anakin Skywalkers gelegt, des späteren Jedis, des späteren Darth Vader. Als begabter und intelligenter Junge wird der aus Tatooine stammende Sklave gezeichnet, als einer, der dem, welcher er als Erwachsener einmal sein wird, überhaupt gar nicht ähnelt. Die Jedis erkennen in dem talentierten Podrennenfahrer eine ungeheure Macht und wollen ihn ausbilden: Fortgerissen von der Heimat muss sich der junge Skywalker nun in einem Kreis aus Macht, Intrigen und Gefahren und beweisen, bevor Lucas zur ersten, dynamisch gestalteten Schlacht aufruft, welche die Technik vollkommen ausschöpft und mit audiovisuellen Glanzstücken auch etwas zu bieten hat. Als Lucas seinen roten Faden schließlich gefunden hatte und der Film auch finanziell ein enormer Erfolg wurde, stand Episode II nichts mehr im Weg. „Star Wars“ kam dennoch nicht überall gut an: Manch ein Fan und auch Kritiker bemängelten völlig zu Recht, dass der Film teilweise zu sehr von den alten, mehr auf Dramatik angelegten Kämpfen abweiche und fast nur noch ein grelles, popkulturelles Blitzlichtgewitter biete.

Überwiegend positiv kann „Star Wars: Episode I: The Phantom Menace“ jedoch doch aufgenommen und nicht nur die gelungene Einfügung, sondern auch die gelungene Stringenz gelobt werden. Lucas inszeniert zügig und mit bekannter Handschrift, weiß, was und wohin er will, führt sein meistens sicher agierendes Schauspielerensemble durch die vielen pathetischen Momente und zeichnet die Charaktere oft der Vorlage gerecht werdend. Ganz loslösen von der Kritik an der sich durch den ganzen Film ziehenden Inszenierung, die teilweise sogar ins Infantile abrutscht, aber dann doch nicht. Waren die ersten „Star Wars“-Werke zwar auch für die ganze Familie gedacht, so erweitert Lucas diese Zielgruppe um die ganz Kleinen, die sich am nervig plappernden Anakin und lustigen Viechern erfreuen können. Die große Magie bleibt beim ersten Prequelstreich also doch aus – ob das nun Schwäche oder gar Stärke ist, liegt ganz im Auge des Betrachters. Jedenfalls konnte man durchaus gespannt sein, wie Lucas seine weiteren beiden, noch folgenden Teile inszenieren würde. Der Anfang war schließlich nach unzähligen Jahren des Wartens gemacht und die Fangemeinde hungrig auf weitere neue Teile.




Drei Jahre später, 2002, erschien dann „Star Wars: Episode II: Attack of the Clones“, der sich grundlegend düsterer gab als der vorherige Teil. Episode II erzählt die Vorbereitung auf den anstehenden, gewaltigen Kampf und kommt mit deutlich mehr Action und Pathos als Episode I daher. Anakin verliebt sich in Senatorin Amidala und setzt damit den Grundstein für die spätere Geburt seines Sohnes, Luke Skywalker, dem er später in einer der bekanntesten Szenen der Filmgeschichte überhaupt erklären wird, wer sein Vater sei. Die Jedi werden zunehmend in die Enge getrieben und Kanzler Palpatine lässt mit der Zeit seine Gelüste für die dunkle Seite der Macht erkennen. Ein unzählige Planeten umfassender Krieg entsteht, aber das alles ist nur Basis für das darauf folgende Spektakel in der Episode III. Man mag Lucas vorwerfen, den Zuschauer gewissermaßen hinzuhalten, besser als Episode I ist Episode II aber allemal. Viel runder wirkt das Ganze, wenn jetzt die altbekannte Theatralik mit dazu kommt und zu orchestralen, dynamischen Klängen erste wirklich große Schlachten wie die in der Arena gekämpft werden dürfen. Anakin hat sich entwickelt und belästigt nicht, sondern fasziniert nicht mehr. Hayden Christensen mag das mit einem auf Dauer öden Hin-und-her-gerissen-Blick ein wenig lächerlich schauspielern, Lucas gelingt es jedoch, aus dem zweiten Teil seiner Prequelsaga viel mehr herauszuholen, als das noch bei dem ersten, vergleichsweise langweilig voranschreitenden Teil der Fall war.

Den krönenden Abschluss markiert schließlich der 2005 in die Kinos gekommene „Star Wars: Episode III: Revenge of the Sith“. Das Ende ist genau so, wie man sich das vorgestellt hat: Bombastisch, gigantisch, dramatisch. Die endgültige Wandlung Anakins zur dunklen Seite wird gelungen präsentiert und gipfelt in choreographisch einzigartigen, packenden Lichtschwertduellen, wie man sie vorher noch nie gesehen hat. „Star Wars: Episode III: Revenge of the Sith“ gelingt es, die Verbindung zwischen den beiden Trilogien herzustellen und so manche Lücke befriedigend zu schließen. Das ist stellenweise zu dick aufgetragen, legitimiert sich aber spätestens hinsichtlich der fantastischen Action, die dem Zuschauer später geboten wird. Die Dialoge wirken arg pathetisch, aber sie müssen es vielleicht auch sein. Dem letzte Teil der „Star-Wars“-Vorgeschichte ist es erlaubt, das zu sein, was man bei anderen Werken sofort als übermäßig thetralisch bezeichnen würde. „Star Wars“ besitzt schließlich diese Ausnahmestellung, und mit der kommen gewisse Privilegien. Man kann den finalen Kampf zwischen Obi-Wan-Kenobi und Anakin Skywalker als pseudocooles Herumgehüpfe, aber auch als fast schon magisches Popcornkino sehen, das bestens unterhält und in allen Belangen von Klang über Bild, Schnitt und Technik, zum Staunen einlädt. Anakin wird engültig zu Darth Vader, Leia und Luke werden geboren, man weiß, wie es weiter gehen wird. Eigentlich wusste man es von vorne herein, Lucas' Inszenierung aber ist dennoch durchgehend auf einem hohen Niveau geblieben und mit „Star Wars: Episode III: Revenge of the Sith“ noch einmal gewaltig gesteigert worden.


                                                

Man kann sich dennoch zu Recht fragen, ob diese Prequelgeschichte überhaupt nötig gewesen ist. Hinter Lucas' Filmen steckt selbstverständlich dieser Hang, jeden letzten Cent aus einer Geschichte herauszuholen – bei „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ aber hat er das eindeutig übertrieben -, hilfreich zum besseren Verständnis ist die neue Trilogie aber allemal. Erst wird einerseits ein psychologisches Profil abgegeben, wie es unverzichtbar ist, möchte man mit dem eigentlich bösen, im Grunde genommen aber doch gescheiterten, tragischen Charaktere des Darth Vader zumindest ein wenig sympathisieren. Der fiese Antagonist hinter der schwarzen Maske bekommt endlich ein richtiges Gesicht – nicht dieses weiße, verfaulte Etwas, dass ihm Lucas am Ende der ersten trilogie auf den Kopf bannte, sondern eines, indem die ganzen Ängste eingefangen sind und nicht mehr herausgelassen werden. Darth Vader wird mit der Vorgeschichte von der gemeinen zur bemitleidenswerten Figur und „Star Wars“ somit so einem vielschichtigen Psychogramm, wie es in der gängigen Rezensionswelt gerne übersehen wird. Lucas zeichnet den Bösewicht nicht nur als in allen Belangen abgrundtief böse, machtbessene und rücksichtslose Figur, sondern als verlorene, in ein schwarzes, seine Ängste widerspiegelndes Kostüm gesperrte Seele, die ihrem Trauma nicht entfliehen kann, sondern ewig an es gebunden ist.

Des Weiteren ist Lucas Ideenreichtum einfach zu groß, um unbeachtet liegen gelassen zu werden. Die Bilder, die ihm im Kopf herumschwirren und nur darauf drängen, auf Zelluloid gebannt zu werden, sind wie für das Kino gemacht. Mag die eigentliche „Star Wars“-Geschichte die ultimative, einzige sein, so ist die Prequelgeschichte doch zumindest ambitioniertes Actionkino, das über die normalen Sehgewohnheiten hinaus geht und statt hirnlose Unterhaltung auf Idiotenniveau zu bieten, die Brücke zum Dramabereich schlägt. Und mit der Vorgeschichte sind auch die anderen Figuren endlich so gezeichnet, wie sie tiefgehendes Blockbusterkino sehen will. Es geht grundlegend um eine der größten Geschichten der Menschheit überhaupt, der unendliche Kampf zwischen Gut und Böse, aber das, was hier als Krieg zwischen Jedi und Sith gezeigt wird, hält sich nicht nur an der Oberfläche auf, sondern beschäftigt sich auch mit den unzähligen Motiven, findet einen Blick in die Charaktere und zeugt auch sonst von Empathie. Es lässt sich also zusammenfassen, dass Lucas es geschafft hat, seine neue Trilogie nicht aufgesetzt, sondern notwendig erscheinen zu lassen, noch dazu ein genaueres Bild seiner Figuren zu zeichnen und noch mehr auf die psychologischen Aspekte der „Star-Wars“-Geschichte einzugehen. Lucas ist kein Kunstfilmer und seine Werke auch keine absoluten Meisterwerke, aber doch so viel besser als andere pure Unterhaltungsware. George Lucas nämlich besitzt die wundervolle Gabe, wie kein anderer eine Magie mit der puren Wucht seiner Erzählungen zu evozieren, wie man sie sonst kaum sieht. Das ist genial. Das ist Kino. May the force be with you!    

Sonntag, 10. Oktober 2010

Die Ghost Verschwörung



Zwischen den Dünen und dem Meer, den seltsamen Touristenorten und der trägen Fährstation, steht der Rückzugsort von Adam Lang (Pierce Brosnan), dem ehemaligen britischen Premierminister. Eingekleidet in noble Fassaden ist der Ex-Politiker gefangen, denn gegen ihn wird ermittelt, und er verschanzt sich hier, weil er hofft, dort nicht von seinen Anklägern in Gewahrsam genommen werden zu können. Modern sieht es aus, das Fluchtgebäude, es ist hochtechnisiert und verbreitet eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, im Gegensatz zum schroffen Klima außerhalb der schützenden Wände. Möglicherweise würde er es mögen, ja, sogar lieben, hierher zu kommen, wären da nicht diese besonderen Umstände: Eines Kriegsverbrechens beschuldigt ist er nach Martha's Vineyard gezogen, um dem Internationalen Gerichtshof und seinem Einflussbereich, in den die USA und somit die Insel eben nicht fallen, zu entgehen.

Lang versucht vielleicht ein wenig, die unangenehme Situation als nichtig abzutun, oder zumindest, sie kleiner zu reden, aber doch weiß er, dass seine Flucht in der Öffentlichkeit als letztes Dahinschwinden der einstigen Stärke dieses Mannes gesehen wird. Die Medien, schon längst angereist, stürzen sich beflissen auf das Thema, und die Anhänger diverser Friedensgruppen verurteilen Lang, beschimpfen ihn.Lang, der gerade einen zweiten Ghostwriter (Ewan McGregor) engagiert hat, nachdem der erste unter mysteriösen, als „Unfall“ deklarierten Umständen ums Leben gekommen ist, kann diese negative Presse nicht gebrauchen. Schließlich wird bereits spekuliert und hoch gepokert, was seine Memoiren betrifft, die in Kürze veröffentlicht werden sollen. Und in diese heikle Situation kommt ein weiterer, vom neuen Ghostwriter begründeter Verdacht: dass hinter Langs Politik viel mehr stecken könnte als die einfach gestrickte Aufsteigerstory eines Mannes, der mit Herz zur Politik gegangen sein soll.




Roman Polanskis neuestes Werk war von Anfang an ein heikles Projekt: Der immer noch andauernde Prozess um den polnischen Regisseur sollte die Dreharbeiten, vor allem die Postproduktionsphase, immens erschweren. Der Vergewaltigungsfall, welcher Polanski seit mehreren Jahrzehnten verfolgt, war weiterhin nicht abgeschlossen und man durfte gespannt sein, wie Polanski mit seinem Dilemma umgehen würde. Die Verfilmung von Robert Harris' Beststeller sollte von allem etwas werden: Dynamischer, spannender Politthriller mit teilweise autobiographischen Bezügen, ein eleganter Seitenhieb auf aktuelle Geschehnisse und nicht zuletzt ein wenig Arthaus, wie man es jedem der Werke Polanskis zuschreiben kann. Folgt „The Ghost Writer“ schließlich doch stark konventionellen Zügen und zeigt ein bekanntes Muster – Opfer wusste scheinbar zu viel, anderer bemerkt das, recherchiert wiederum, begibt sich ebenfalls in Gefahr -, so hat der Film doch stets eine eigene Note vorzuweisen, die ihn weit über den Genredurchschnitt heben.

Polanskis Romanadaption ist jedoch vor allem in ihrer Visualisierung einzigartig geworden. Wie der Regisseur die anziehende, aber dennoch eiskalte Atmosphäre der Insel einfängt, und in hypnotischen Kamerafahrten die aufkeimenden Ängste des neuen Ghostwriters aufzeigt, hat immer noch nichts von seiner Klasse verloren, ist seit Dekaden hochaktuell und insgesamt als eine Hommage an den Meister der Suspense, Alfred Hitchcock, zu verstehen. Martha's Vineyard dient als wunderschöner, elegisch ausgeleuchteter Hauptspielort und definiert sich vor allem über die schroffe Küste, die windige Atmosphäre und die sterile Reinheit des bunkerartigen Hauses Langs. Die Grundtöne grau und blau harmonieren in einem aufeinander abgestimmten Wechselspiel, evozieren ein Gefühl des Unbehagens, welches mit der anziehenden Story nach und nach gesteigert, auf die Spitze getrieben wird. Allein die eher ruhige, aber dafür umso intensivere Verfolgungsjagd auf dem Festland ist eine Tour de Force für sich, die den Zuschauer in den Sessel drückt und ihn vor der inszenatorischen Klasse Polanskis applaudieren lässt. „The Ghost Writer“ ist ein optisches Highlight – verklemmt, abstoßend, leer und summa summarum schlichtweg der vielleicht beste Schauplatz, den man für die immer eindringlicher werdende Story rund um Macht, Gier, Verrat und Betrug hätte finden können.




Im Allgemeinen ist die Handlung „The Ghost Writer“ aber schon bekannt, weil oft bereits benutzt, die ersten Schritte ebenso kein Neuland, mit der Fortführung aber ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstdefinition. Polanski gelingt es auf eindrucksvolle Art und Weise, dem klassischen Prinzip zu folgen – und am Ende auch den großen Twist, die große Überraschung zu bringen -, dabei jedoch seinen eigenen Weg zu gehen und mit seinem Stil die Verfilmung zu prägen, ihr seinen Stempel aufzudrücken und damit dem Fehler zu entgehen, sich grundlegend auf Vorgegebenes zu verlassen. Denn der Thriller baut nicht nur auf geniale Visualisierung, sondern schafft es ebenso, mit nicht wirklich spärlich gesäten Spannungsmomenten den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Die in dieser Richtung beste Szene ist die Flucht des neuen Ghostwriters vor seinen potenziellen Mördern auf der Fähre, welche ohne große Effekte auskommt und doch den gewünschten Effekt erzielt: Mitfiebern, durchatmen, staunen. Polanski hat es nicht verlernt, seine Werke mit einfachsten Mitteln zum kleinen großen Thrillerstück aufzubauen, das erst nach und nach zeigt, wie viel Talent in ihm steckt.

„The Ghost Writer“ besteht aber vor allem aus der Identifikation des Regisseurs mit seinem eigenen Leben: in einem anderen Land versteckt auf der Flucht - Adam Lang teilt sein Schicksal mit dem Polanskis. Dass Polanski wiederum leise Medienkritik äußern würde, stand gewissermaßen von vorne herein fest, betrachtet man einmal die Komplexität des wahren Falls, überrascht eindeutig, dass er dies aber auf so subtile Art und Weise in den Film integriert. Hinter dem nach innen gezogenen Schauspiel Brosnans, hinter dem lächerlichen, aufgesetzten Grinsen ist der kleine Fingerdeut auf die Sensationsgeilheit der Presse. Wenn auch Polanski alles tut, um „seinen“ Teil möglichst nicht aufzudrängen, so erkennt man ihn neben dem teilweise schablonenhaften, aber stets hervorragend gespielten Thrillerpuzzle doch deutlich.Zum absoluten Must-See in diesem Jahr avanciert „The Ghost Writer“ aber erst durch die – in der Special Edition beiliegende oder separat erhältliche –  Dokumentation zum Vergewaltigungsfall Polanskis, bei dem man sich um eine hohe Authentizität und Objektivität bemüht, dies in treffsicheren Bildern und Aussagen auch schafft. „The Ghost Writer“ ist ein exzellenter Film mit gleichen Schwächen, der vielleicht eine filmische Neudefinition des Regisseurs einläutet und alles in allem eins ist - „Wanted and Desired“.